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Das Wunder von Meinerzhagen
In den frühen Samstagmorgenstunden des 01.07.06, machten sich 10 tapfere Kämpen auf den Weg in ein Abenteuer, das in der Geschichte der Ruhrpott-Bazis wahrlich seines Gleichen sucht. Aus allen Richtungen NRWs reisten sie an; teilweise noch gezeichnet von den Siegesfeiern anlässlich des Einzugs der Deutschen Nationalmannschaft ins WM-Halbfinale ein Tag zuvor. Das Ziel: Meinerzhagen! Der Auftrag: "Halten bis Entsatz kommt!" (Filmzitat "der längste Tag - D-Day", Anm. d. A.)
Die Rot-Weissen-Bazi-Freunde hatten uns, die Ruhrpott-Bazis, zu ihrem dortigen Kleinfeld-Turnier eingeladen, wofür wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchten.
Die kleine Schar der Berufenen setzte sich wie folgt zusammen: Fritze (Spieler) und Schwesterchen Bianca (Support/Ersatzspielerin) für Sektion Wegberg, der Rote (Spieler) für Sektion Hamm, Stephan (Spieler/Support) + Moni (Support) für Sektion Oberhausen, Ljungberg (Spieler) für Sektion Bonn, Dieter (Spieler) für Sektion Burscheid, Katze (Spieler) und Daniel (Spieler) für Sektion Hagen sowie meine Wenigkeit, Stan (Spieler) für Sektion Mülheim.
Stephan, Moni und ich erreichten gegen 9:30 Uhr das "Stadion Meinerzhagen" (jaa - Ground-Punkt!), nachdem Stephan auf der A40 schnell(!) noch einmal getestet hatte, ob die dort neu installierten Starenkästen schon in Betrieb sind. Langsam trudelten auch die restlichen RPB-Akteure ein, wobei Sektion Hagen, auf Grund alkoholbedingter Fahruntüchtigkeit (pfui - ich hatte soviel Disziplin den Sieg gegen Argentinien ohne Alkoholkonsum zu feiern *heul*), die Hilfe des "Bianca-Taxis" in Anspruch nehmen musste. Danke Bianca!
Vollzählig bezogen wir nun die erstbeste Umkleidekabine, deren von den anderen Kabinen abgesonderte Lage, sich im Nachhinein dadurch erklärte, dass sie für die einzige teilnehmende Damen-Mannschaft (ts-ts, welch widersprüchlicher Begriff) reserviert war. Ganz Kavalier, boten wir den Frauen selbstverständlich sofort die noch freien Bänke der Kabine an, während wir fortfuhren unsere extraordinären Designer-Trikots anzuziehen. Anfängliche Einwände gegen die mittlerweile zu wahrem Kult avancierten Leibchen ("damit geh ich nich raus, wir machen uns ja lächerlich"; "Toll Stan! Acht Männer-, eine Frauen- und wir sind die Tran***-Truppe, oder was?"), relativierten sich während des Turnierverlaufs.
Foto-Quelle: Kicker-Sonderheft "Thekenmannschaften.
Noch glaubte man, zwar an einen erfolglosen, aber doch an einen feucht-fröhlichen Sommerkick! (zum vergrößern Bild anklicken)
An dem Turnier nahmen, aufgeteilt auf zwei Vorrundengruppen, insgesamt 10 Mannschaften teil. Das "Losglück" oder besser das Mitleid der gastgebenden RW-Bazi-Freunde teilte uns der vom Papier her leichteren Gruppe zu. Was ich natürlich nicht dadurch begründet sehen will, dass in dieser Gruppe auch die bereits angesprochene Damen- Mannschaft der RW-Bazi-Freunde mit dem verbindenden Namen "Always Ultras" spielte. Weitere Gruppengegner waren die Herren-Mannschaft der RW-Bazi-Freunde, die sich durch 'neu-italienische' Eigenschaften auszeichnende Truppe "Kierspe Dorf II" und eine trikotlose Mannschaft mit Namen "die Playboys". Mmh.., in Anbetracht des späteren hohen Sieges gegen die Mädels, sollte man hier vielleicht über eine nachträgliche Disqualifikation wegen 'technischem Foul' nachdenken!
Offizieller Turnierbeginn sollte ca. 10:00 Uhr sein. Da sich bereits zu dieser vormittäglichen Stunde die später am Tag erreichten 30 °C abzeichneten, waren wir, wie sich später herausstellen sollte, der trügerischen Meinung, dass wir uns nicht mit so lästig Dingen wie Aufwärmen abgeben sollten. Stattdessen versuchten einige den Abstand zwischen dem aktuellen und dem Pegel des vorherigen Abends zu verringern. Galt es doch, den zu diesem Zeitpunkt, realistisch gesehenen einzig erreichbaren Schluckspecht-Pokal nicht aus den Augen zu verlieren!

Unser erstes Spiel sollte uns auf "Kierspe Dorf II" treffen lassen. Wie bei fast allen anderen gegnerischen Mannschaften, lag deren Altersdurchschnitt gut 10 Jahre unter dem unserem! Da wir zuvor noch nie zusammen gespielt hatten, wurde uns schnell klar, dass wir gegen diese körperlich hochüberlegenen, eingespielten Mannschaften (*jammer*) nur eine Chance hatten - eine auf userem überlegenden Intellekt fußende Taktik (*hust*). Diese sah wie folgt aus: Hinten reinstellen, kein Gegentor kassieren, den jeweiligen Gegner anbetteln sich wenig und vorallem langsam zu bewegen und vorne eine Glückshütte zumachen.
Dahingegen war Dank der Ausstattung mit roten Ausweich- T-Shirts durch unseren leider verhinderten 'Zeugwart' Kalle, das Problem unserer Verwechselung mit den ebenfalls hell gekleideten Kierspern durch die Zuschauermassen (vorsichtig geschätz zweistellig) schnell gelöst.
Foto: vor dem Umziehen.
Um den Anpfiff nicht zu verzögern, spurten wir zum Trikotwechsel (zum vergrößern Bild anklicken)
Das erste Spiel begann. Und siehe da, wie geplant hielt unser Abwehrbollwerk den zahlreichen Angriffen des letztendlich verzweifelnd anrennenden Gegners stand. Beste Chancen wurden durch Paraden unseres tapferen Torwarts, des Roten, zunichte gemacht, während der ein oder andere schnell vorgetragene Konter für Entlasstung sorgte. Der verdiente Lohn war am Ende ein gefeiertes 0:0. Hah, das erste Spiel entgegen aller Befürchtungen nicht verloren, sogar kein Tor kassiert - ein guter Turnierstart, sooo wichtig für die Moral! Das war dann wohl auch die Geburtsstunde des mittlerweile legendären Ausspruchs "Angst schweißte uns zusammen!"
Leider zogen sich Einige von uns schon in dieser frühen Phase des Turniers Verletzungen und Blessuren zu, die einerseits sicherlich auf unsere mangelnde Fitness (Thema "Aufwärmen" - siehe oben!) aber andererseits auch auf die unvorteilhaften Platzverhältnisse zurückzuführen waren. Gemäß Platzwart hatte man den sogenannten Kunstrasenplatz "extra fürs Turnier gemäht" (super Schenkelklopfer!), wodurch er in einem Topzustand wäre. Meiner Meinung nach, handelte es sich allerdings eher um einen mit Tonnen von Sand bedeckten, abgewetzten Teppichersatz. Perfekt um sich auf die Schnau** zu legen!

Das zweite Spiel ging dann gegen "Always Ultras" - die Frauen-Mannschaft! War unsere Ambition im ersten Spiel noch 'nicht untergehen', so trieb uns der blanke Chauvinismus hier zu dem Vorsatz 'ohne Gegentor gewinnen'! Verlieren? Kein Gedanke! Wir gewannen dann zwar auch mit 3:0, aber im Vergleich zu den Torfestivals der anderen Mannschaften gegen die "Always Ultras", konnte man sich am Ende doch mehr über die bis dahin erreichten 4 Punkte ohne Gegentor erfreuen.
Wermutstropfen war dann auch der Ausfall unseres Sturmtanks Stephan - bei einer Grätsche hatte ein Muskel im Oberschenkel "zugemacht"! Um unsere eh schon mit nur zwei Mann besetzte Ersatzbank nicht noch weiter zu schmälern, musste sich jetzt sogar Fritzes Schwester Bianca das "Kulttrikot" überstreifen!

Jetzt stand das für uns wichtigste Spiel des Turniers an. Das Prestigeduell gegen die RW-Bazi-Freunde (Herren)!
Sollte wir dieses verlieren, würden wir uns das auf jeder gemeinsamen Fahrt anhören dürfen. Wir würden uns fühlen wie die 4-Minuten-Meister, wie Niederländer nach WM-Spielen gegen Deutschland oder wie Engländer nach einem Elfmeterschießen respektive dem letzten Spiel in Wembley!!
Entsprechend begannen wir. Zwar wieder aus einer gut formierten Abwehr heraus, aber diesmal mit gewaltigem Drang nach vorne und absolutem Siegeswillen.
Foto: schneller Gegenstoß
Neuer Spielaufbau und Einleitung der nächsten Torchance. Hey, rechts is Fritze ganz frei! (zum vergrößern Bild anklicken)
Immer wieder kamen wir über die Außen und Fritze schlug seine gefährlichen Flanken vors Tor. Dort Stand Daniel immer wieder goldrichtig, und konnte schon früh gleich zweimal aus kurzer Distanz verwandeln!
Foto: Tor!
TOOOR! Wieder einmal kann der Schlussmann der RW-Bazi-Freunde dem Ball nur hinterhergucken! (zum vergrößern Bild anklicken)
Mit diesem 2:0-Zwischenstand im Rücken, verstärkten wir dann erst einmal wieder die Abwehr und ließen den Gegner kommen. Doch für die RW-Bazi-Freunde reichte es nur noch zum Anschlusstreffer, welcher aber auch nur durch ein Missverständnisses in unserer Hintermannschaft möglich war.
Dann war Schluss im Berner..., äh, Meinerzhagener Dorfstadion. 2:1-Sieg gegen die RW-Bazi-Freunde! Der Tag war gerettet. Zumal wir mit 7-1 Punkten und 5:1 Toren aus drei Spielen den zweiten Gruppenplatz und somit den Einzug ins Halbfinale sicherhatten.

Tja, und mit dieser Sattheit gingen wir in das letzte Gruppenspiel gegen die "Playboys"! Die Hitze, der Kraftakt gegen die RW-Bazi-Freunde und vielleicht auch die immer wieder zwischendurch gereichten Durstlöscher auf Hopfenbasis, hatten doch sehr viel der eh kaum vorhandenen Substanz gekostet. So verloren wir unser erstes Spiel.

Im Halbfinale wartete dann ausgerechnet der souveräne Titelverteidiger und spätere Turniersieger auf uns. Der im Zusammenhang mit diesem Spiel einzige glanzvolle Augenblick für uns, ereignete sich dann auch bereits vor dem Anpfiff. Fritze und Stephan zelebrierten eine kleine aber feine Pyro-Show mit etwas Rauch und Bengalos. Zugegeben einige Bengalos hatten etwas von einer Wunderkerze, aber die "Mutter aller Bengalos" wäre für diesen Anlass wohl auch etwas übertrieben gewesen.
Foto: Kinder-Bengalo
Weitere Aufnahmen waren leider durch den massiven Einsatz von GSG9 und Nationalgarde nicht möglich. Kann aber auch sein, dass Moni von dem Spektakel einfach zu gebannt war, um es zu fotografieren!
Gegen den Titelverteidiger (ich mein unter ihnen sogar einige ehemalige Bundesliga Profis erkannt zu haben!) hatten wir dann auch wie erwartet keine Chance. Das Ergebnis? Naja, es kommt ja eh eines Tages raus: 0:4!
Mein einziges persönliches Erfolgserlebnis in dieser Partie: Ein Tunnel gegen einen ihrer Obermotze, hehe! Ich glaub der läuft wegen dieser Schmach noch heute mit einer Papiertüte über dem Kopf durchs Sauerland.

Als unser letztes Match des Turniers, stand dann das Spiel um Platz 3 an. Gegner waren ausgerechnet unsere "Freunde" aus unserem ersten Spiel: "Kierspe Dorf II". Der Kreis schloss sich.
Sonderbarerweise meinten diese Bengel, sie hätten noch eine Rechnung mit uns zu begleichen, und gingen recht aggressiv zu Werke. Doch wir hielten, trotz schwindender Kräfte, anfangs tapfer dagegen. Und dann fiehl es doch - 1:0 für Kierspe. Die Anstrengungen des zu Ende gehenden Turniers forderten nun ihren Tribut, sodass wir nicht mehr viel entgegenzusetzen hatten.
Doch das zweite und letzte Tor dieses Spiels war lediglich das Resultat einer Unsportlichkeit! Nachdem schon zuvor einige harten Attacken vom Gegener ausgegangen waren, erwischte es diesmal unseren Fritze, sodass dieser erstmal liegen blieb. Trotzdem unterbrach der offensichtlich überforderte Schiedsrichter (jede Mannschaft stellte abwechselnd für ein Spiel in der jeweils anderen Gruppe einen Unparteiischen. Von uns übernahm Stephan diesen Part, was in Anbetracht von nur zwei Trillerpfeiffen wohl eine recht 'speichelreiche' Angelegenheit war *würg*) die Partie nicht. Dies nutzte der kiersper Kaptäin, eine wahres Vorbild an Fairness und Sportlichkeit, schnappte sich im allgemeinen Durcheinander die Kugel, und machte das 2:0 für "Dorf II"! Da wenig später dann auch schon abgefiffen wurde, hielt sich bei uns die Empörung in Grenzen, und wir zogen es vor zu feiern.
Immerhin hatten wir etwas erreicht, was uns zuvor keiner zugetraut hätte. Wir selber am wenigsten! Wir hatten einen Pokal gewonnen - wir waren "4. Sieger" des Turniers geworden!!!
Nun konnten wir uns mit ein paar Erfrischungsgetränken in Ruhe auf die Pokalübergabe vorbereiten.
Foto: vor der Ehrung
Warmsingen für die bevorstehende Siegerehrung (4. Platz) und die Auszeichnungen u. a. für: beste Pyro-Show, älteste Mannschaft, schönsten Trikots! (zum vergrößern Bild anklicken)
Leider wurde der frenetische Jubel während der Pokalübergabe nicht von der Kamera eingefangen. Außenstehende konnten sicherlich den Eindruck gewinnen, wir hätten das Turnier gewonnen.
Mit dem Pokal wurde zudem ein 5-Liter Fass übergeben, um dessen Gewinn ausgiebig (mit 5 Litern?!) feiern zu können. Verantwortungsbewusst und in weiser Voraussicht, hatte die Turnierleitung die Fässer bereits gegen 9:00 Uhr aus der Kühlung genommen, damit es nach der ca. 16:00 Uhr stattfindenden Siegerehrung, bei 30 °C im Schatten nicht zu Kälteschocks kommen konnte - Chapeau!
Foto: verdienter Lohn
Geschafft! So sehen Sieger aus! (zum vergrößern Bild anklicken)
So endete der offizielle Teil. Nachdem wir einige Siegerschlücke aus dem mit wohltemperierten Gewinn-Bier gefüllten Pokal genommen, mit den Dörflern noch ein bischen genagelt (Hallo? Natürlich Nägel stupide in einen Baumstumpf hämmern - was glaubt ihr denn?) und uns den Anfang vom englischen WM-Ende gegen Portugal angeschaut hatten, machten Moni, Stephan und ich uns erschöpft wieder auf den Weg in den Ruhrpott.
Fazit dieses ereignisreichen Tages: Als krasser Außenseiter gestartet, doch mit bescheidenen Mitteln etwas Akzeptables erreicht.
In meiner Erinnerung jedenfalls wird dieser Tag einfach nur eins sein: Das Wunder von Meinerzhagen!